Unsere Häuser

Die Geschichte des Hauses

Das Haus und seine Häuser

Wer die Schulanlage des Ignaz-Günther-Gymnasiums umschreitet, wird unschwer erkennen, daß die einzelnen Gebäudeteile in verschiedenen Epochen entstanden sind, wobei die beiden Ende des 19. Jahrhunderts in klassizierenden Bauformen errichteten Baukörper dominieren. Der im Nordwesten angefügte Erweiterungsbau und der zwischen den Altbauten eingeschobene Verbindungs- und Erweiterungstrakt weisen sich deutlich als Bauzeugnisse dieses Jahrhunderts aus. Somit sind die Wachstumsschritte des Ignaz-Günther-Gymnasiums von außen gut ablesbar.

Aus organisatorischen Gründen wird die Gesamtanlage, stadtauswärts betrachtet, mit Haus A, B, C, D bezeichnet. Bei der nachfolgenden Beschreibung des „Hauses und seiner Häuser“ wird jedoch zum besseren Verständnis der geschichtlichen Entwicklung eine chronologische Reihenfolge gewählt.

Die Entwicklung der Schulanlage beginnt mit dem Gebäude Prinzregentenstraße 32, als sich Mitte 1894 Gemeinde-Collegium und Magistrat der Stadt Rosenheim mit der Suche eines geeigneten Baugrundstücks beschäftigen. Der anfänglich beabsichtigte Ankauf des benachbarten, westlich des Friedhofs gelegenen Marienbads wird abgelehnt. Statt dessen wird für 5.000 Mark ein ca. 4,5 Tagwerk (15.432 m2) großes Grundstück zwischen Promenadenstraße (heute: Prinzregentenstraße) und Haustätterstraße (heute: Heilig-Geist-Straße) erworben. Dies war eine kluge, weitsichtige Entscheidung, weil sie auch die in unserem Jahrhundert erforderlichen Erweiterungen noch ermöglichte.

Die Pläne für das Königliche Progymnasium mit Pensionat werden durch Stadtbaurat Georg Mackert gefertigt. Er konzipiert einen vertikal und horizontal stark gegliederten Baukörper. Dadurch überspielt er einerseits die große Baumasse, andererseits nimmt er den Duktus der stadteinwärts bereits vorhandenen, anspruchsvollen Bürgervillen auf. In seinem Erläuterungsbericht schreibt er: „Das Gebäude wird so postiert, daß weiter aufwärts an der Promenadenstraße noch ein weiteres Gebäude Platz findet, aber auch baulich jederzeit eine unmittelbare Erweiterung ohne Störung des Unterrichts erfolgen kann.“ Im rückwärtigen Grundstücksbereich sind eine Wandelhalle mit Turn- und Spielplatz, östlich ein Gemüsegarten und in der Mitte ein gefälliger Springbrunnen mit kleinem Bassin projektiert. In den einzelnen Geschossen sind folgende Räumlichkeiten vorgesehen:

Untergeschoß
Heizanlage, Wirtschaftsräume, Hausmeisterwohnung
Hochparterre
Speise- und Studiersaal, Lehrsäle, Konferenz-, Bibliothek- und Hausmeisterzimmer
1. Stock
Direktorat und Vorzimmer, Lehrsäle, Schlafsäle (für ca. 33 Pensionäre), Präfektenzimmer
2. Stock
Lehrsaal, Zeichensaal, Sammlungszimmer, Musik-Festsaal, geräumige Direktorenwohnung

Mit den Fundierungsarbeiten wurde am 20. Juli 1895 begonnen und das Schulgebäude bereits am 18. September 1896 feierlich eröffnet. Die Baukosten in Höhe von 250.000 Mark wurden durch eine Anleihe finanziert, die mit 3,5 % zu verzinsen und in 44 Jahren zu tilgen war.

Am 30. Dezember 1896 faßt das Gemeinde-Collegium der Stadt Rosenheim nachfolgend zitierten Beschluß:

„Betreff Städtisches Pensionat am humanistischen Gymnasium, hier: wird an verehrl. Stadtmagistrat die Anfrage gerichtet, in welcher Weise die Unterbringung einer größeren Anzahl Schüler des Pensionats ins Auge gefaßt ist, welche im Interesse der Rentabilität dieses Instituts einer baldigen Entscheidung zuzuführen wäre.“

Dies ist der Startschuß für alternative planerische Untersuchungen zur Errichtung des Gebäudes Prinzregentenstraße 34 mit denen sich nun Stadtbaurat Mackert zu beschäftigen hat (im übrigen: nach ihm ist die Kastanienallee entlang des Mangfallwerkskanals benannt). Im April/Mai 1897 unterbreitet er für die ihm gestellte Aufgabe zwei Entwurfsvorschläge. Mit dem ersten empfiehlt er eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes durch winkelförmige Anbauten an den nördlichen Seitenflügeln, im zweiten sieht er einen größeren Neubau im nordöstlichen Grundstücksbereich Ecke Haustätterstraße (heute: Heilig-Geist-Straße)/Westermayerstraße vor. Keiner von beiden wird jedoch weiter verfolgt, doch läßt das Aktenstudium lebhafte Aktivitäten zwischen Schulleitung und Stadtmagistrat erkennen, die in dem Beschluß vom 23. Juli 1897 enden:

„Mit Rücksicht auf die derzeitige Erkrankung des Stadtbaurates und der Dringlichkeit der Erbauung eines Gymnasiumgebäudes soll ein Concurenz-Ausschreiben für den Bau eines solchen erlassen und für die drei besten Arbeiten Preise von 1000, 600 und 400 Mark ausgesetzt werden ...“.

Doch schon zwölf Tage später scheint dieser Beschluß durch eine Kontaktaufnahme mit Architekt J. B. Rieperdinger, München überholt zu sein, denn dieser wird beauftragt, auf der Grundlage eines zwischen dem Rektorat des Gymnasiums und der Magistrat-Commission abgestimmten Raumprogramms, eine Entwurfsplanung mit Kostenvoranschlag für den Neubau eines Gymnasiums mit Turnhalle zu fertigen, die er schließlich am Heiligen Abend, 24. Dezember 1897, Herrn Bürgermeister Joseph Wüst überbringt.

Der nach Gewerken aufgegliederte, mit Massen und Preisen versehene Kostenanschlag sieht folgende Endsumme vor:

Gymnasium 165.196,66
Turnhalle 19.829,28
Planung, Kostenanschlag,
Bauleitung und Reserve 4.974,06
190.000,- Mark

Die Einzelansätze deckten sich sehr genau mit den späteren Ausschreibungsergebnissen, wobei für verschiedene Gewerke Abgebote von 5 - 15 % vermerkt sind.

Mit den Fundierungsarbeiten des Neubaus wurde noch in den letzten Monaten des Jahres 1898 begonnen. Für die Fundamentation der Turnhalle sind Mehrkosten von 3.500 Mark entstanden. Dies ist zwar eine verhältnismäßig hohe Summe, aber bei den Rosenheimer Bodenverhältnissen auch heute keine Seltenheit. Die Benutzung der Turnhalle erfolgte bereits im Dezember 1899, der Umzug in den Neubau des Gymnasiums Anfang April 1900. Dazu mußte die Genehmigung der Königlichen Regierung von Oberbayern in München eingeholt werden. In dem diesbezüglichen obertechnischen Gutachten werden feuchte Wände die, „... wegen der ausschwitzenden Steine das Aussehen von Waschküchen haben“, (was auf die schnelle Bauzeit zurückzuführen ist) bemängelt. Auch ist darin nachstehender Hinweis zu finden: „Nachdem an Stelle der projektierten Trockenklosets, Wasserklosets im Anschluß an den Herderbach eingerichtet wurden, ergeht der Auftrag, über die Zulässigkeit dieser Fäkalienableitung in den offenen Bach, welcher einen Teil der Stadt durchfließt, in technischer und sanitärer Beziehung ... zu berichten.“ So nahe lagen also damals schon Fortschritt und Umweltschutz beisammen.

Das Humanistische Gymnasium konnte nunmehr, nach diversen Ergänzungsarbeiten mit Kosten von 20.000 Mark, das zuerst errichtete Gebäude vollständig als Pensionat verwenden und sich in seinem neuen Stammhaus einrichten.

Das unverwechselbare Erscheinungsbild dieses Hauses schmückt fortan nicht nur die Rosenheimer Schullandschaft, sondern bildet durch den gekonnten Einsatz klassizistischer Stilelemente einen architektonischen Höhepunkt in der ehemaligen Promenadenstraße (heute: Prinzregentenstraße). Die baukünstlerische, städtebauliche und historische Bedeutung der beiden alten Gebäude wird letztlich auch durch die zugesprochene Denkmaleigenschaft dokumentiert.

Bevor ich mich nun den beiden Erweiterungsbauten zuwende, möchte ich noch kurz die baulichen Nutzungen und Veränderungen während der Kriegs- und Nachkriegsjahre streifen.

1939 - 40
Zur Verfügung stellen von Ausweichräumen für die Städtische Mädchen-Oberschule

1941 - 43
Ausweichräume wie vor

1945 - 47
Schulgebäude dient teil- und zeitweise als Lazarett, Truppenunterkunft und Flüchtlingslager

1946 - 69
Haus A dient der Städtischen Oberrealschule für Mädchen-Karolinengymnasium Rosenheim

1950 - 51
Die im rückwärtigen Bereich neben der Turnhalle befindliche Wandelhalle wird als Zentral-Feuerhaus mit Wagenhalle und Heizungsanlage ausgebaut bzw. erweitert.
Im Südostflügel von Haus A befindet sich auch ein Feuerwehrunterrichtsraum und Schlauchturm

1963 - 69
1974 - 77
Haus D wird teilweise durch die evangelische Volksschule belegt

In Haus A werden Räume durch die Volksschule Fürstätt genutzt

Seit Mitte der 50er Jahre wird immer wieder versucht, Kellerräume umzunutzen und die Dachgeschosse auszubauen um der Schulraumnot zu begegnen, was schließlich zu Konflikten mit bauaufsichtlichen und feuerschutzrechtlichen Vorschriften führt.

„Es war ein weiter und langer Weg - genau gesagt: vom 22. Juni 1953 bis heute.“ sagte Oberstudiendirektor Dr. Josef Straßer bei der Eröffnungsfeier des Erweiterungsbaues am 11. Juli 1963, und an anderer Stelle betont er: „... was wir brauchten und immer noch brauchen, sind in erster Linie Klaßzimmer.“ Der Zeitraum von der erstmaligen Antragstellung auf die Bereitstellung zusätzlich benötigter Schulräume bis zur Fertigstellung des Neubaues war deshalb so lange, weil der Stadtrat erst am 12. April 1961, innerhalb eines Gesamtplanes zur Behebung der Rosenheimer Schulraumnot, die Errichtung eines Erweiterungsbaues für das Gymnasium beschließen konnte. In der Folge dieses Beschlusses sucht die Stadt Rosenheim durch Stellenausschreibung einen Architekten zur Betreuung dieser Baustelle. Meine Bewerbung hat Erfolg und so beginnt damit meine Tätigkeit im Hochbauamt der Stadt.

Mit den Bauarbeiten wird am 30.11.1961 begonnen, der Rohbau ist am 18.07.1962 fertiggestellt. Das Oberbayerische Volksblatt umschreibt den fertiggestellten Erweiterungsbau dessen Baukosten sich auf nahezu 1 Million DM belaufen in seinem Artikel vom 11.07.1963 wie folgt:
„Den Plangestaltern des Stadtbauamtes Rosenheim ist es in hervorragender Weise gelungen, eine zeitgemäße Verbindung zwischen dem Alt- und Neubau zu schaffen. Die Fassade aus der Jahrhundertwende und die des „Raketenzeitalters“ mußten ja zusammenpassen. Die moderne Aluminiumfassade mit den praktischen und schönen Leichtmetallfenstern bildet zwar einen gewissen Kontrast zum Stil des Altbaues, aber dieser wirkt nicht störend. Den Übergang bildet in jedem Stockwerk ein lichthof-artiger stattlicher Raum mit sehr großen, bis zum Boden reichenden Fenstern. Zwölf schöne Klaßzimmer, in jedem Stockwerk drei, schließen sich nach der Straßenseite hin an. In einigen von ihnen müssen im Untergeschoß und Erdgeschoß allerdings vorläufig noch Kinder der evangelischen Volksschule untergebracht werden.

In diesen Zimmern muß das Lernen Spaß machen. Sie sind hell, mit großen Fenstern einer neuartigen Konstruktion ausgestattet und gewähren Lehrern und Schülern viel Bewegungsfreiheit. Die Klaßzimmer sind eigentlich eine einzige Fensterfront. Die Fenster sind mit Jalousien und Verdunklungsvorrichtungen ausgestattet.

Vom Büro von Oberstudiendirektor Dr. Straßer aus können sämtliche Räume und Zimmer über eine zentrale Rufanlage erreicht werden. Und auch die Heizung erfolgt zentral über das Fernwerk. Man hat bei diesem Neubau an alles gedacht. Einen breiten Raum nimmt, wie es in einer Lehrstätte angebracht und notwendig ist, auch die künstlerische Ausgestaltung der einzelnen Stockwerke ein.“

So finden wir in der lichtdurchfluteten Treppenhalle auf die oberen Stockwerke verteilt die großen Wandbilder von Karl Prokop mit der Darstellung von Szenen aus drei Epen der Weltliteratur: aus Homers Odyssee, aus Vergils Aeneis, aus Wolframs Parzival, und in den Flurerweiterungen (inzwischen als Verwaltungsräume genutzt), Keramikfriese von Erika Lochmüller mit Symbolen aus den musischen, geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Die Kunstwerke sind ein verbindendes Element zwischen den alten und neuen Gebäudeteilen.

Das ehemalige „Humanistische Gymnasium“ hat nach dem zweiten Weltkrieg, wie oben beschrieben, als erste weiterführende Schule Rosenheims einen Erweiterungsbau erhalten. Doch war in der Zwischenzeit die Schülerzahl von damals 500 auf nahezu das Doppelte angewachsen und so war es wiederum ein besonders denkwürdiger Tag, als der Stadtrat Rosenheim am 23.04.1975 beschlossen hat, künftig dem Ignaz-Günther-Gymnasium neben seinem Stammgebäude, Prinzregentenstraße Nr. 34 auch das angrenzende Gebäude Nr. 32 wieder zuzuweisen. Für den darüber hinausgehenden Raumbedarf, der in den vorhandenen Gebäuden nicht gedeckt werden konnte, sollte ein Erweiterungsbau errichtet werden. Das von der Stadt Rosenheim und der Schulleitung des Ignaz-Günther-Gymnasiums gemeinsam aufgestellte Raumprogramm wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bereits am 9. September 1975 genehmigt und auf eine Schülerkapazität von 920 Schülern mit dem Vermerk begrenzt, daß auch bis zu 1000 Schüler untergebracht werden können.

Es war für den Verfasser eine ehrende Bestätigung und Herausforderung zugleich, als Oberbürgermeister Dr. Albert Steinbeißer ihn mit der Entwurfsplanung dieser anspruchsvollen Baumaßnahme beauftragte. Bevor mit dem skizzieren von Entwurfsüberlegungen begonnen werden konnte, mußte bei der Erarbeitung eines Raumbestandsplanes für eine Neuordnung und den Umbau zunächst geprüft werden, welche Räume sinnvoll in den Altbauten unterzubringen sind, um den Rahmen und Umfang für den erforderlichen Erweiterungsbau vorweg abzustecken. Dabei wurde versucht, die Bausubstanz möglichst nicht zu verändern, den gesamten Raumbedarf in Bereiche zu gliedern und dieselben auf den verschiedenen Ebenen einander horizontal oder vertikal zuzuordnen. Dieser Arbeitsschritt erfolgte in enger Abstimmung mit der Schulleitung und zählt zusammen mit der konstruktiven Begleitung des Entwurfsprozesses durch Herrn Oberstudiendirektor Josef Höfler zu meinen angenehmsten beruflichen Erinnerungen.

Der nun zu planende letzte Bauabschnitt ist zweistufig zu konzipieren, weil einerseits die rückwärtig gelegene Feuerwehrzentrale noch nicht zur Disposition steht, andererseits aber eine direkte, wettergeschützte Verbindung der beiden Altbauten unerläßlich ist, und wegen der inzwischen eingeführten Kollegstufe dringend angemessene Bibliotheksräume benötigt werden. Der Erweiterungs-Verbindungsbau enthält nachfolgend beschriebene Funktionsbereiche:

Eingangsbereich
Durch den Erweiterungsbau wird zwischen den beiden Altbauten an der Prinzregentenstraße ein zentraler Eingang geschaffen. Von dieser Seite betreten alle vom Bahnhof über die Luitpoldanlagen kommenden Fahrschüler das Gymnasium. An der Heilig-Geist-Straße befindet sich eine Omnibushaltebucht für Stadt- und Schulbusverkehr. Die weitere verkehrsmäßige Erschließung für Fahrräder, Mofas, Pkw-Stellplätze und Versorgungsfahrzeuge erfolgt ebenfalls von dieser Straßenseite aus.

Pausenhalle - Aula
Diese liegt als zentraler Erschließungsraum mit der Getränke- und Speisenausgabe auf der Untergeschoßebene und ist sowohl vom Haupteingang, Prinzregentenstraße, als auch vom Pausenhof beiderseits leicht zugänglich. Um den pädagogischen Anforderungen eines musischen Gymnasiums gerecht zu werden, wurde die Pausenhalle mit einer kleinen Szenenfläche ausgestattet, so daß auch außerschulische Nutzungen möglich sind.

Musischer Bereich - Musik
Die Musikunterrichtsräume sind der Aula direkt zugeordnet und akustisch von den übrigen Räumen getrennt. Eine Schallübertragung von der Turnhalle her wird dadurch unterbunden, daß sie als vollkommen selbständige Konstruktion frei über das Untergeschoß gespannt ist.

Mehrzweckraum
Mit ansteigendem Hörsaalgestühl, auch für außerschulische Nutzung geeignet, mit zusätzlichem Zugang von der Heilig-Geist-Straße aus.

Bibliotheksbereich
zentral gelegen auf der Erdgeschoßebene, über Nebentreppen in unmittelbarer Verbindung zu den Lehrer- und Kollegiatenarbeitsplätzen, neben dem Lehrerzimmer.

Lehrerzimmer
auf der gleichen Ebene, als übersichtlicher, leicht besprechbarer Zentralraum, mit Ausgang auf Dachterrassen.

Doppelturnhalle und Allwetterplatz
Wegen des flächenmäßig begrenzten Grundstücksumgriffs und zur Erhaltung der Funktionseinheit zwischen der Aula und dem musischen Bereich ist die Doppelturnhalle im 1. Obergeschoß angeordnet. Die Halle kann unterteilt und getrennt genutzt werden. Der Allwetterplatz ist mit einer Weit- und Hochsprung- sowie Kugelstoßanlage ausgestattet.

Pausenhof
Er ist mit insgesamt 4.800 qm ausreichend groß und in zwei Bereiche unterteilt. Der vorhandene alte Baumbestand wurde erhalten und durch eine abgestimmte Freiflächenplanung in den Pausenhof mit einbezogen. Geländeabsenkung und Anordnung von Sitzstufen ergeben in Verbindung mit der Pausenhalle einen forumsartigen Platz - pädagogisches Zentrum - welcher sich auch für szenische Darstellungen eignet.
Neben den funktionellen, konstruktiven und innenräumlichen Anforderungen war bei der äußeren Gestaltung des Verbindungs- und Erweiterungstraktes, dem Leitgedanken „Neues Bauen in alter Umgebung“ entsprechend, der städtebaulichen-architektonischen und denkmalpflegerischen Einbindung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. So wird den geschlossenen Baumassen der bestehenden Gebäude mit Lochfassaden und Rustizierungen im Souterrain und Erdgeschoß, eine deutlich kontrastierende transparente Architektur, mit Wechsel in der Materialwahl, jedoch kleinmaßstäblicher Fassadengliederung entgegengestellt. Gleichzeitig bleibt durch das Zurücknehmen der vorderen Neubauflucht auf eine gemeinsame Erschließungsachse der Gesamteindruck der baukünstlerisch sehr bemerkenswerten Hauptgebäude, und die für die Prinzregentenstraße charakteristischen Grünanlagen erhalten. Dabei wird auch das axial-symmetrische Erschließungssystem stärker herausgearbeitet. Zur lockeren Einbindung der neuen, plastisch wirkenden Baukörper, werden im engeren Anschlußbereich der Altbauten die Höhenentwicklung und die Baumassen reduziert, so daß die einzelnen Funktionseinheiten auch von außen ablesbar bleiben. Durch das gewählte Dachmaterial und die geneigten Dachformen wird ein geschlossenes Gesamtbild der Gebäudegruppen erzielt.

Das architektonische Bemühen um eine überzeugende Einfügung der neuen Baukörper in die denkmalgeschützte Bausubstanz findet seine Entsprechung in der Auslobung von zwei Wettbewerben zur künstlerischen Ausgestaltung der Aula und des Pausenhofes, nämlich eines Glasbildes von Florian Lechner und einer Brunnenplastik von Alfred Regnat, sowie den Broncetürgriffen von Franz Lankes.

Parallel zu den Neubauarbeiten erfolgt der Umbau der Gebäude Prinzregentenstraße 32 und 34 nach Maßgabe des 1975 konzipierten und schulaufsichtlich genehmigten Raumbestandsplanes, mit Generalsanierung der statisch tragenden Deckenteile, der haustechnischen Installationen, Feuermeldeanlage, Türen, Fenster, Bodenbeläge sowie Fassadenrenovierung.

Zum Vergleich mit den früher errichteten Gebäudeteilen nachfolgend einige Zahlen über den zeitlichen Ablauf und Kostenumfang:

Umbaumaßnahmen mit Biologietrakt
1975 - 1981 DM 4.400.000,-
Verbindungs-Erweiterungsbau
1979 - 1984 DM 13.500.000,-

Für die in den Jahren 1997-1998 durchgeführten, umfangreichen Dach- und Fassadensanierungen, die gerade noch rechtzeitig zum Jubiläumsjahr abgeschlossen werden konnten, sind Kosten in Höhe von DM 1.600.000,- entstanden.

Die Entwicklung der letzten 100 Jahre hat am Beispiel des Ignaz-Günther-Gymnasiums gezeigt, wie wichtig es ist auch im schulisch-baulichen Bereich weitblickende, fachübergreifende und nachhaltige Entscheidungen zu treffen, insbesondere was die Grundstücksressourcen anbelangt. Rückläufige, bzw. stagnierende Bevölkerungszahlen und ihre räumliche Verteilung lassen hoffen, daß die Schulanlage in ihrem jetzigen Umfang noch weit über die Jahrhundert- bzw. Jahrtausendwende hinaus ihrem Bildungsauftrag an unseren jungen Menschen gerecht werden kann. Und so wünsche ich dem „Haus und seinen Häusern“, analog zur Synthese seiner baulichen Entwicklung und Erscheinung, eine ebenso glückliche Symbiose zwischen den Lehrinhalten des technologischen Fortschritts und der Pflege der überlieferten humanistischen, musischen Werte, zum gedeihlichen Wachsen und Blühen in das nächste Jahrtausend hinein.

Richard Oeßwein
Architekt und Stadtplaner