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Seminare

LANDART

Landesgartenschau 2010 in Rosenheim – Ignaz- Günther- Gymnasium im Luitpoldpark

"Raus aus dem Zeichensaal, rein in den Park".

Verschiedene Schülergruppen entwickelten und realisierten in diesem Schuljahr Land-Art- inspirierte Arbeiten im Park, die seine Wahrnehmung und Nutzung für eine gewisse Zeit verändern.

Klassen verschiedener Jahrgangsstufen, speziell aber der Kunst- Leistungskurs der K 12 und das Projektseminar aus der Q 11 entwickelten Ideen und setzten sie bis zur Eröffnung der Gartenschau im April in die Tat um.

Schon im Winter begann der Leistungskurs, vom Park Besitz zu ergreifen. Schneekugeln mit farbigen Fühlern, Schneebahnen, die sich die Wege entlang und die Bäume hinauf ziehen, Kleidung für frierende Papierkörbe, Geschenke an die Natur, Schneefrauen und vieles mehr wurden als kurzfristige, vergängliche Objekte gestaltet und setzten gestalterische Akzente.

Eine 13- teilige Betonskulptur, die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Christian Heß entwickelt wurde, bildete den Schwerpunkt der Arbeit des Leistungskurses. Ausgangspunkt waren 30 Kilo Ton, aus denen jeder Schüler eine Skulptur formte, die sich durch eine Anschlussstelle/form auf die nächste Arbeit bezog. Von diesen Tonmodellen wurden Gipsformen erstellt, die anschließend mit Beton ausgegossen wurden. Arbeiten, die für die SchülerInnen Neuland waren und großes handwerkliches Geschick erforderten. Beim Abhämmern der Gipsformen war die Erleichterung groß, dass sich alle Skulpturen wohlgeformt aus der Ummantelung lösten. In langwieriger Arbeit, die oft weit über den schulischen Rahmen hinausging, entstand so ein breites Spektrum von Skulpturen, vom Bierkrug bis zur amorphen Form. Durch ihre Platzierung im Luitpoldpark ist ihnen nun das Echo der Öffentlichkeit gewiss. Im P- Seminar bildeten sich 5 Gruppen, die die folgenden Arbeiten, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Christian Heß, realisierten:
Ein Team konzipierte und setzte aus ungefähr 400 Weidenschösslingen ein Labyrinth, das anwächst und grün und dicht werden soll. Nebenan im Park entstand eine Sitzgruppe aus 3 Sitzgelegenheiten. Ein schwerer Findling aus Stein, ein langer Pappelstamm mit Sitzmulde und ein bequemer, rasenbedeckter Sessel laden zum Verweilen ein. Von dort führen ungefähr 50 in den Rasen eingelassene, überdimensionale und bunte Fußspuren aus Beton zum Spielplatz. Eine andere Arbeit verändert sich im Lauf weniger Tage und wandert durch den Park. Auf den Rasen gelegte Schablonen lassen das Gras ausbleichen und ergeben so auf dem Boden farblich kontrastierende Bilder von sich bewegenden Figuren im Park. Am östlichen Rand der Anlage ist eine fragile Weidenskulptur entstanden, deren Schösslinge leuchtend gelbe Holzringe tragen. Auch diese Arbeit wird anwachsen und sich im Lauf der Jahreszeiten verändern.

Zudem entstanden im Kunstunterricht verschiedene Arbeiten mit Bezug zur Gartenschau und zum Park.
Die Klassen 5e und 5g "pflanzten" rote Blumen in den Park. Die 9c gestaltete jugendlich frische Plakate zur Landesgartenschau, die 10d baute Modelle für eine Aussichtsplattform auf die Kunstwerke im Park und entwickelte Logos zum Thema „Schule und Landesgartenschau“. Die 8d schließlich verknüpfte den Park mit den verschiedenen Aspekten der Landschaft im 19. Jahrhundert, wobei die Schüler klassizistische und romantische Motive in der Fotografie inszenierten und impressionistische und pointillistische Malerei nachempfanden.

Constanze Moser: Landartprojekt

Am 16.01 2010 habe ich mein Landart Projekt im Luitpoldpark in Rosenheim durchgeführt. Auf einem der Wege begann ich mit Schnee eine schlangenartige Linie herzustellen, die sich über einen Teil der Gehwege erstreckte. Einmal um einen Hell-Dunkel Kontrast hervorzurufen (der weiße Schnee auf dem schwarzen Gehweg), und zum zweiten um einen eigenartigen, untypischen (vielleicht sogar zum Nachdenken anregenden) Eindruck von und in der Natur zu erwecken, welches einer der Gründe der Landschaftskunst ist. In der Natur die Natur verändern zu wollen ist zwar ungewöhnlich, aber durchaus interessant. Nicht nur die Wirkung auf die Umwelt, sondern auch die Wirkung der Kunst an sich. Das Problem der Vergänglichkeit bei Landart, eben das Arbeiten mit der Natur erschwert es jedoch, das Werk „festzuhalten“. Somit wird das Projekt anhand von Fotos dokumentiert .Die Bilder zeigen also eine kunstvolle Schneespur im Park. Es wurden die Eindrücke, Reaktionen der Spaziergänger und die Entwicklung des Landarts zum vollständigen Kunstwerk hin festgehalten. Die Entwicklung des Werkes in den Folgetagen konnte wegen der ungünstigen Wetterlage nicht festgehalten werden (Der Schnee schmolz bereits am Tag darauf). Gerade die Wirkung der "Schneeschlange" auf den einzelnen Fußgänger während und nach der Arbeit war interessant mitzuverfolgen. So ließ sich leicht beobachten, dass Jung und Alt entweder teilnahmslos weitergingen oder die Augen nicht abwenden konnten und sogar Fragen stellten. Dass jedoch solch eine Arbeit von einer erwachsenen Frau derart verpönt wird, dass sie die Spur zertritt und mit abfälligem Blick fortgeht, hat selbst mich überrascht. Andere, z.B. ein junges Paar waren angetan und beobachteten mich gerne bei meinem Schaffen. Sie waren sogar so erfreut, dass sie sich fotografieren ließen. Die Spur erweckt den Eindruck einer mit Sprühsahne gezogenen Linie mitten in der Natur und lässt daher aufblicken. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Arbeit großen Spaß gemacht hat und dass es zudem interessant war, wie Leute am Geschehen beteiligt sind. Völliges Desinteresse gefolgt von Begeisterung für den Moment. Dank der optimalen Lichtverhältnisse zur Mittagszeit erstrahlt der Schnee in vollem Glanze und steht in gutem Kontrast zum Gehweg. Vom Anfang des freien Weges bis hin zum fertigen Werk benötigte ich knappe zwei Stunden. Das Bild der Schneespur wurde nach meinen Vorstellungen umgesetzt und aufgenommen.

Carmen Luckas

Constanze Moser