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Franz Lankes

Kunst am IGG: Franz Lankes

Franz Lankes war lange Jahre Kunsterzieher am IGG. Ihm zu Ehren gibt es zurzeit gleich zwei Ausstellungen: eine im Städtischen Museum unter dem Titel: „Aufbewahrte Augenblicke“, die noch bis zum 27.Februar gezeigt wird, und eine im IGG selbst unter dem Titel “Franz Lankes vor’m, am und auf’m IGG“, die ebenfalls bis zum 26. Februar 2016 zu sehen ist.
Die Vernissage fand am Montag, 16. November in Anwesenheit auch von Erika Lankes, der Witwe des Künstlers, statt. Die kurze pointierte Rede von Walter Leicht, Leiter des Städtischen Museums, ist weiter unten zu lesen.

Fotos: Janka
Fotos Türgriffe: Fotoweitblick Bad Aibling

Rede von Walter Leicht,
Leiter des
Städtischen Museums Rosenheim
anlässlich der Ausstellungseröffnung

„Franz Lankes vor’m, am und auf’m IGG“

am 16.November 2015 um 14.00 Uhr
im Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim

„Souverän ist das Werk, das für sich spricht“.
So hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung heute vor zwei Wochen getitelt, als sie neu gestaltete Räume im Bayerischen Nationalmuseum vorgestellt hat.

„Souverän ist das Werk, das für sich spricht“, das könnte man auch so stehen lassen für das bildhauerische Werk von Franz Lankes hier am Ignaz-Günther-Gymnasium.

Das könnte man so stehen lassen - aber es wäre dann doch zu wenig. Denn hinter dem zweifellos souveränen Werk steht ein Mensch, steht ein Franz Lankes, den so wohl noch die Wenigsten von Ihnen kennen.
Ich habe diesen Franz Lankes kennengelernt über die Beschäftigung mit seinen Skizzenbüchern, und über sehr ausführliche und sehr angenehme Gespräche mit Dir, liebe Erika.

Wer war nun dieser neue, andere Franz Lankes, der mehr als der Kunsterzieher, Maler und Bildhauer ist?
Franz Lankes war Architekt.
Franz Lankes war Humanist.
Franz Lankes war ein gequälter Pedant.
Diese drei Saiten von Franz Lankes klingen an, wenn wir uns seine drei verschiedenen Arbeiten vor, an und auf seiner alten Schule ansehen.

Vor’m IGG – Der Namenspatron

1988 hat Franz Lankes die Namenstafel vor der Schule realisiert. Nach wie immer intensiven Recherchen, ausführlicher Diskussion von Alternativen und detaillierten Angaben zum „Bau“ der Tafel.
Hier kommt der Architekt zum Vorschein, der in Franz Lankes seit seinem Studium bei Hans Döllgast angelegt war. Genaue Vermaßungen, Materialangaben, technische Zeichnungen und die Rücksichtnahme auf verschiedene Perspektiven unterschiedlicher Betrachter gehen mit den Intentionen des Bildhauers konform

„Das Ignaz Günther Porträt wird nach dem verschollenen Selbstporträt Günthers, welches Ferdinand Neuhaus, genannt Piloty, gezeichnet hat – 1806 – modelliert.
Das Reliefband ist aus Bronze, die Stelen sind Stein (Granit) (Rotmarmor!). Das Bodenfundament, in welches die Steine versenkt sind, besteht aus Beton.“ (Franz Lankes, undatiertes Skizzenbuch)

Das Maß für seine Arbeit war der Mensch. Also eins der wichtigsten Axiome in der Architektur – wenn sie denn eine gute ist.
Aber es war nicht irgendein Mensch, es war nicht ein Erwachsener, nein, es war der durchschnittlich 1,50 Meter große Schüler in circa drei Metern Abstand, auf den für Franz Lankes die Tafel richtig wirken sollte. Und „richtig“ hieß die Oberkante in Relation zur Augenhöhe und in Beziehung zur schräg links dahinter liegenden Haupteingang mit seinen Glastüren.
Das war mehr als bloße „Kunst am Bau“, hier hat einer „das Ganze“ im Blick gehabt.

Am IGG - Musen und Leitfiguren

Wenn der Lanke’sche „Musterschüler“ den Namenspatron passiert hat, betritt er das Reich der Sprachen, Formeln und Noten. Wobei ich hier Noten nicht im Sinn von Zensuren meine, denn die sind meiner Meinung nach nicht das Wichtigste in der Schule. Am wichtigsten und mir am meisten wünschenswert sind Schülerinnen und Schüler, die, nachdem sie ihre Schullaufbahn erfolgreich absolviert haben, als selbständig und kritisch denkende Menschen in die Welt treten. Als (Fahr)Schüler des IGG haben sie davor tagein, jahraus einen der zwölf Türgriffe gedrückt, wenn sie von der Prinzregentenstraße das Hauptgebäude betreten haben.

Die neun Musen waren dabei offensichtlich gesetzt als Türdrückermotive an diesem neugestalteten Haupteingang. Jedenfalls finden sich keine Überlegungen zu anderen Motiven. Die Musen symbolisieren damit als Türöffner den Weg hin zu einer umfassenden humanistischen Bildung. Und sie öffnen die Tür zurück zur täglichen Begegnung mit der Welt und dem Leben. Die verbliebenen drei Türdrücker wurden realen Fixpunkten eines bildungsbürgerlichen Kanons gewidmet:
Homer als longreading Autor zweier Heldenepen, die bis heute Pflichtlektüre in angewandtem Altgriechisch sind.
Erasmus als Galionsfigur des Humanismus, als Wegbereiter der Aufklärung und kritischer Denker par excellence.
Und
Mozart – als Mozart.

Zwangsläufig war diese Auswahl an Leitfiguren aber nicht, wie Franz Lankes seinem Skizzenbuch 1977 / 78 anvertraut hat:
„Köpfe Europas.
Festhalten der Tradition, das muss nicht ausschließlich die humanistische bedeuten, Walter v.d. Vogelweide, Strawinsky und Michelangelo, Shakespeare, Camus und Hemingway.
Daran erinnern, wer zu seiner Zeit was Besonderes gemacht hat.
Die hohe Meisterschaft der Handwerker, Hans Sachs, die Leute in den Bergen.
Das gäbe ein Haus mit lauter Türen und Türgriffen. Was nehmen wir? Als Thema!“

Unumstritten und nicht zur Diskussion stehend war schließlich die dritte Arbeit, mit der sich Franz Lankes in das Buch der Baugeschichte des IGG eingetragen hat.

Auf’m IGG - Der Prinzregent

Auf dem Giebel des Hauptgebäudes des Rosenheimer Gymnasiums, erbaut 1898/1900, thronte eine Büste des Prinzregenten Luitpold. Die Nationalsozialisten hatten diese Reminiszenz an vergangene Zeiten, wie fast überall, entfernen und verschwinden lassen.
Auf dem vergrößerten Ignaz-Günther-Gymnasium der 1980er Jahre sollte auch der Landesherr der frühen Jahre wieder seinen Platz finden. Mit der Schaffung einer neuen Büste des Prinzregenten beauftragte Kulturreferent Dr. Eugen Weigl Franz Lankes.
Dessen Frau Erika Lankes erinnert sich zwiespältig daran, weil „der Weigl hat den Franz gequält mit der Authentizität der Gesichtszüge und so. Da hat er mir oft richtig
dabarmt, der Auftrag war eine Schinderei“. Die Schinderei lag aber nicht so sehr im Auftrag, sondern in Anspruch und Arbeitsethos von Franz Lankes begründet. Nicht nur der Ordensschmuck war wissenschaftlich abgesichert, selbst haarige Kleinigkeiten wollten berücksichtigt sein:
„Unter der Nase sind zwei Dreieckflächen frei vom Barthaar, dieser macht einen weiten Bogen. Der Backenknochen weicht schräg nach oben zurück“.
(Franz Lankes, Skizzenbuch 26. März – 3. Dezember 1984)
Diese Detailversessenheit für eine Büste, die hoch oben auf dem Dachgiebel thront, die kaum einer kennt, und die man nur in Umrissen sieht! Aber: Franz Lankes hätte es permanent gestört, wenn da ein Orden oder ein Barthaar nicht richtig gesessen hätten. Dann wäre er mit sich selbst nicht zufrieden gewesen.

Ich habe Ihnen jetzt Seiten von Franz Lankes aufgezeigt, die sich einem vielleicht nicht sofort erschließen:

Der Architekt
Der Humanist
Der gequälte Pedant.

Deswegen konnte ich nicht einfach so stehen lassen die Überschrift aus der FAZ:
„Souverän ist das Werk, das für sich spricht“.

Zum Schluss möchte ich Franz Lankes selbst für sich sprechen lassen, mit einer Sentenz, die er am 4. Juni 1988 seinem Skizzenbuch anvertraut hat und die für ihn passend und seinem bildhauerischen Werk angemessen ist:

„Den Könner erkennt man immer daran, wo der Nichtkönner versagen muss“.