Unsere Projekte

Archäologietag: Mit Herrn Breinl in die Steinzeit!

Wenn unsere Sechstklässlerinnen und Sechstklässler mit feingeschliffenem Muschelschmuck, hölzernen Handbohrern oder selbstgebastelten gefiederten Pfeilen (natürlich ohne gefährliche Pfeilspitzen!) durch die Gänge des Schulgebäudes wuseln, wissen ältere Schüler und selbstverständlich auch die Lehrkräfte sofort Bescheid: Es ist „Archäologietag“! Seit vielen Jahren schon ist dieser Tag ein fester Bestandteil des Schulkalenders. Der dafür zuständige Fachmann, „unser“ Archäologe Herr Breinl, kommt immer wieder gerne ans IGG, um den sechsten Klassen – passend zum Lehrplan im Fach Geschichte – allerlei Interessantes über das Leben und die Kultur unserer Vorfahren, den (jung-)steinzeitlichen Menschen, zu vermitteln. Dabei schöpft Herr Breinl, ein langjähriger Mitarbeiter des Bayerischen Amtes für Denkmalpflege, aus seinem immensen Wissen über jene ferne Vergangenheit, legt jedoch – als Vertreter der „praktischen Archäologie“ – auch viel Wert auf Anschaulichkeit und konkrete Erfahrung. Bereits in seinem Einführungsvortrag werden steinzeitliche „Techniken“ immer wieder anschaulich demonstriert, vielmehr aber noch in dem im Anschluss für jede Klasse stattfindenden „Workshop“, wo die Schülerinnen und Schüler sich unter seiner fachkundigen Anleitung mit einigen dieser Techniken vertraut machen können, indem sie unter anderem die oben erwähnten Gegenstände selbstständig basteln (nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang auch das „Schwirrholz“, ein Kommunikationsmittel, das Herr Breinl gerne als das steinzeitliche „Handy“ bezeichnet). Die Begeisterung, mit der die Sechstklässler bei der Sache sind, zeigt einmal mehr, dass die Steinzeit uns auch im Zeitalter der Digitalisierung noch viele Denkanstöße, aber auch viel Vergnügen bieten kann.
Gerhard Dunker

Archäologietag 2018/19

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"Stolpersteinverlegung" im Juli 2018

An einer ganz besonderen Veranstaltung beteiligte sich die Klasse 9e mit ihrer Klassenleiterin Frau Heunisch und ihrem Geschichtslehrer Herr Dunker am 16. Juli 2018 in Stephanskirchen und Niederndorf bei Prutting. Es ging dabei um die erste Verlegung von Stolpersteinen im Landkreis Rosenheim durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Was sind „Stolpersteine“? Herr Dr. Nowotny, Leiter der „Initiative Erinnerungskultur“ und Organisator der Verlegungsfeier, erklärt: „Sie werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort, aber auch der Schule oder Arbeitsstätte von Opfern des Naziterrors ins Pflaster eingelassen. Auf eine 10x10 cm große Messingplatte sind Namen, Geburtsjahr, Zeitpunkt und Ort von Deportation und Tod eingraviert. Über 67000 dieser Steine gibt es schon in 21 Ländern Europas, verlegt in 1600 Städten und Gemeinden.“

In der Salzburger Straße 7 in Stephanskirchen wurde am 16. Juli zunächst ein solcher Stein für Johann Vogl gelegt, einem ehemaligen Kioskbesitzer am Schlossberg, der wegen seines offenen Eintretens gegen den Nationalsozialismus ins KZ Dachau verschleppt und dort am 27. März 1938 (seinem 40. Geburtstag) ermordet wurde.

Fünf weitere Stolpersteine verlegte Gunter Demnig anschließend in Niedernburg bei Prutting zur Erinnerung an die jüdische Familie Block, die dort bis zu ihrer Deportation im Jahre 1942 eine Gärtnerei betrieb. Die Wiederentdeckung und Veröffentlichung der Tagebücher von Elisabeth Block, der ältesten Tochter von Mirjam und Fritz Block, erregte 1993 nicht nur regional großes Aufsehen.

An der Stolperstein-Verlegung nahmen auch Verwandte der Familie Block, die eigens aus Israel und England angereist waren, teil. Die bewegende Veranstaltung, die unter anderem aus Beiträgen der „Stolperstein-Paten“, Ansprachen der Angehörigen, Anmerkungen zur Biographie der Familie Block (mit Lesebeiträgen aus Elisabeth Blocks Tagebuch), musikalischen Darbietungen sowie einem abschließend von Kantor Michael David gesprochenen jüdischen Totengebet (Kaddish) bestand, wurde auch von Emma Willenbrink und Valentin Kunst aus der Klasse 9e mitgestaltet, die eindrucksvoll das Gedicht „Poem“ von Selma Meerbaum-Eisinger (1924 – 1942), einer Alters- und Schicksalsgenossin Elisabeth Blocks, vortrugen.

Für alle Schülerinnen und Schüler der Klasse sowie für ihre Lehrer war es eine große Freude, auf diesem Wege einen Beitrag für eine lebendige Erinnerungskultur und gegen das Vergessen leisten zu können.

G. Dunker