Highlights in Deutsch

Standbilder: Iphigenie auf Tauris

Im Deutschunterricht der Q11 (2018/19) haben die Schülerinnen und Schüler Standbilder zur ersten Szene im 1. Akt des Schauspiels "Iphigenie auf Tauris" von J. W. von Goethe, dem sogenannten Eingangsmonolog Iphigenies, geformt. Herausgekommen ist dabei Folgendes. Sehen und lesen Sie selbst!
Sabine Simmendinger

Denn ach mich trennt das Meer von den Geliebten,
Und an dem Ufer steh´ ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend;

Iphigenie fühlt sich einsam und auf Tauris nicht wohl; sie sieht gedankenversunken über das Meer, denkt an ihre Familie und gibt sich für einige Momente ihrer Sehnsucht und Trauer hin.

O wie beschämt gesteh´ ich, dass ich dir
Mit stillem Widerwillen diene, Göttin,
Dir meiner Retterin!

Iphigenie ist im Tempel; sie spricht im Gebet zur Göttin Diana und gesteht ihr und sich selbst ein, dass sie nicht Dianas Priesterin sein möchte, auch wenn sie sie verehrt, und das erfüllt sie mit Scham über ihre eigene Undankbarkeit.

So gib auch mich den Meinen endlich wieder,
Und rette mich, die du vom Tod´ errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode.

Iphigenie ist tief im Gebet versunken, sie legt all ihre Verzweiflung und Sehnsucht, gleichzeitig auch ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in die Göttin in ihre Worte und bittet Diana, sie wieder nachhause zu bringen.

Glossen in Klasse 9a (2017/18)

Im ersten Halbjahr beschäftigten sich die Schüler der Klasse 9a im Deutschunterricht unter anderem mit SZ-Zeitungsglossen, satirischen Texten und kabarettistischen TV-Formaten: Da wurden satirische Mittel gesucht und gefunden, Ironie aufgespürt oder am Beispiel der Böhmermann-Erdogan-Affäre die Grenzen der Satire (respektive des guten Geschmacks) diskutiert. Warum also nicht selbst einmal eine Glosse verfassen, eine journalistische Textform, die so spontan, ja leichtfüßig daherkommt und doch Produkt stundenlangen Feilens, Streichens und Überarbeitens ist? Also verfassten die Schüler der 9a eigene Glossen zu selbst gewählten gesellschaftlichen oder auch politischen Themen und kürten zum Abschluss die drei Sieger in einer anonymen Online-Abstimmung: Lesen Sie selbst!
Claudia Walter

1. Platz: „Kulturelles Massaker“? (Maria Hartmann)

In Pfaffing an der Attel, nahe bei Wasserburg am Inn, wo sich Fuchs und Igel persönlich gute Nacht sagen, finden hin und wieder kulturelle Veranstaltungen statt. Dabei sind jedoch nicht immer alle Bürger einer Meinung, was man unter dem Wort „kulturell“ versteht. Denn während bei dem einen „kulturell“ bei einem Konzertabend beginnt und bei einer Autorenlesung mit anschließender Fragestunde endet, finden andere dahergelaufene Waldmänner, dass schon ein Festival mit Stampf-Musik, Alkohol, Drogen und Zelten auf der Kuhweide „kulturell“ sei. Letzteres trifft auch im kulturinteressierten Pfaffing zu:

Es handelt sich bei unserem Kulturereignis um das dort einmal im Jahr stattfindende Festival „Kannibalen-Massaker“. Um genau zu sein: es HAT früher nur einmal im Jahr stattgefunden... Zu diesem Anlass kamen sogar weit gereiste Waldmänner aus England, Frankreich oder Spanien ins Kultur- und Kongresszentrum. Das KUKO Pfaffings ist im Übrigen eine alte Kiesgrube. Obige Lurche und Echsen - ja, so sahen sie aus - kampierten mehrere Tage lang auf der Kuhweide vor dem KUKO Pfaffings mit Sack und Pack, und zwar mit EINEM Dixiklo für Hunderte Teilnehmer, was mutmaßen lässt, wie es dort nach der „Kulturveranstaltung“ aussah. Doch mit den Fäkalien, die ins Grundwasser gelangen, nicht genug, die Bürger Pfaffings hatten noch ganz andere Sorgen. Da man sich als sommerliches Einschlaflied nur in den seltensten Fällen Stampfmusik wünscht, wurden bürgerfreundliche Ruhezeiten festgelegt, an denen man die Großzügigkeit der Waldmänner förmlich riechen konnte, denn es waren ganze FÜNF Nachtstunden von 2.00 bis 7.00 Uhr - an die sich nur leider kein Festivalbesucher hielt. So stellte man die Bürger vor die Qual der Wahl, ob sie mit genannter Einschlafmusik bei offenem Fenster, was in der heißen Sommerzeit durchaus angenehm sein konnte, oder lieber ohne Musik bei geschlossenem Fenster schlafen wollten, was zur Folge hatte, dass man bei 30 Grad Raumtemperatur förmlich erstickte. Nicht zuletzt hatten jedoch auch die dem Alkohol zugewandten Einwohner Pfaffings ein Problem, denn während dieser Zeit gab es im EDEKA keinen Tropfen Alkohol in den Regalen, da die Waldmänner diesen völlig leer kauften.

Wenn man sich jetzt fragt, warum das Festival abgeschafft wurde, so muss man den durchaus kritischen Bürgermeister fragen. Dem wurde es nämlich, als ununterbrochen Leute in der Nacht bei ihm anriefen und beklagten, dass die Ruhezeiten nicht eingehalten würden, zu bunt und er überlegte sich, wie er aus dieser Nummer wieder rauskommen könnte, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Wozu gibt es schließlich eine Untere Naturschutzbehörde, die sich so einem kontroversen Fall widmen könnte? Nachdem diese Behörde die alte Kiesgrube eingehend begutachtet hatte, wurde nach vielen Jahren Kannibalen-Massakers festgestellt: Der Ort stelle wegen seines hohen ökologischen Wertes ein naturnahes Feldgehölz dar! Und so beschloss MAN (denn am Ende wollte es niemand gewesen sein), dass zum Schutze dieser Grube beziehungsweise der Nerven der Anwohner dort keine weiteren „kulturellen“ Veranstaltungen mehr ausgetragen werden dürften.

Darunter leiden müssen neben den Waldmännern nur die Wildtiere des nahegelegenen Dickichts, die nun auf ihren alljährlichen Wodka oder die herumliegenden Drogen verzichten müssen. Der irische Weihnachtsmarkt, der in diesem KUKO-Biotop traditionsgemäß stattfindet, darf mit seinen fünf Ständen weiterhin veranstaltet werden, da man die Natur im Winter dort nicht gefährde. Auch an dem beliebten Wandertagsziel der ortseigenen Grundschule wird weiterhin festgehalten, es geht doch nichts über das richtige Maß an „Kultur“!

2. Platz: O`zapft is – oder wie Menschen den letzten Rest ihrer Würde verlieren (Isabelle Schmidtke)

Würde man einen beliebigen Nicht-Alkoholiker zu normalen Zeiten fragen, ob er bei einem Massenbesäufnis mitmachen möchte, bei dem mehrere Millionen Leute teilnehmen, die insgesamt über 6 Millionen Liter Bier konsumieren, würde er höchstwahrscheinlich schockiert den Kopf schütteln. (Insofern er nicht gerade in der jugendlichen Selbstfindungsphase steckt, aus welcher auch so manch ein 40-Jähriger noch nicht herausgekommen ist, in der man versucht sein - bevorzugt weibliches - Umfeld mit dem traurigen, aber leider typischen „Ich-bin-so-geil-weil-ich-erst-nach-sechs-Maß-Bier-kotzen-muss-Balzverhalten“ zu beeindrucken.)

Manch einer fragt sich jetzt bestimmt, wo zum Teufel im ach so spießigen Deutschland solch ein Event stattfinden könnte (außer man befindet sich gerade in der oben erwähnten Phase oder lebt im tiefsten Oberbayern, denn dann weiß man genau, wo Sauforgien wie diese stattfinden). Sobald es wieder Oktober ist, werden Millionen Menschen ihren Anstand und all die Skrupel von vorher beiseite werfen, um die alljährliche Wies´n mitzuerleben. Für diesen Anlass müsste man vielleicht das Wort „miterleben“ von seiner ursprünglichen Bedeutung „bei etwas dabei sein; etwas aus unmittelbarer Nähe erleben“ zu „sich mit lauter Touris´ besaufen, die denken, das Oktoberfest sei des Deutschen natürliche Umgebung, dessen Flüssigkeitszunahme ausschließlich aus Bier besteht“ modifizieren.

Doch wenn man so nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass die Fünfte Jahreszeit der Münchner so viel mehr zu bieten hat als überteuerten Alkohol oder Frauen, deren Ausschnitte sonst eher im Euroindustriepark (Rotlicht-Milieu Münchens) zu finden sind: Sie wartet auch noch mit der Absenz von Hygiene auf. Denn sobald man sich nach stundenlangem Warten endlich an einem Sitzplatz im Bierzelt erfreuen darf, sich dankbar niederlässt und seine Hände erleichtert auf dem Biertisch ablegt, wird die Euphorie schnell lack wie ein abgestandenes Bier; geschockt fragt man sich nun, während man versucht das schleimige Gefühl an den Händen loszuwerden, ob seine Hände gerade wirklich einen handelsüblichen Biertisch berührt haben oder doch eher eine Nacktschnecke, die sich nur als Tisch getarnt hat. Traurigerweise ist dieses widerliche Ambiente, das einem je nach Promillepegel mehr oder weniger den Mageninhalt hochkommen lässt, nichts im Vergleich zu den Szenen, die sich hinter den Zelten abspielen.

Spätestens, wenn alle Hobby-Alkoholiker ihre 60€ für Bier beziehungsweise für Radler - frei nach dem Motto „Radler ist kein Alkohol!“- ´rausgeschmissen haben und anschließend auf die glorreiche Idee verfallen sind die abenteuerlichste Achterbahn zu fahren, hat nicht selten einer von diesen das dringende Bedürfnis sein Tagesmenü hinter den Zelten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber hey, zumindest ist danach wieder Platz für den heißersehnten Mitternachts-Leberkassemmel-Snack. Und wenn man glaubt, dass nun alle ihren absoluten Tiefpunkt erreicht haben, gibt es immer noch Individuen, die das Niveau sogar noch unterbieten können. Die einen finden die Toiletten nicht mehr, die anderen haben, ähnlich wie ein kleines, bockiges Kind, keine Lust den weiten Weg zum „locus“ auf sich zu nehmen und urinieren lieber direkt neben das Bierzelt; nicht zu verachten ist dabei übrigens die geradezu bewundernswerte Ignoranz, mit der sie sich den angewiderten Blicken der Passanten entziehen.

Abschließend kann man sagen, dass das Bayerische Oktoberfest bei manchen Menschen nicht nur traumatische Erinnerungen wieder aufleben lässt, etwa wie sie als kleines Kind auf eine Nacktschnecke getreten sind, sondern sie auch des letzten Restes ihrer Würde beraubt: Prost!

3. Platz: Süßer die Lügen nie klingen als zu der Weihnachtszeit ... (Katharina Fischbacher)

Sie steht schon wieder vor der Tür, die vor allem von Kindern heiß ersehnte und abgöttisch geliebte Weihnachtszeit. Die Zeit, in der Kinder überall auf der Welt schon zu nachtschlafender Stunde aus dem Bett springen - was sonst ein eher seltenes Ereignis ist - um die Türchen ihres mit Plastik oder Zucker gefüllten Adventskalenders aufzureißen. Dieser soll ihnen die Zeit bis zum großen Weihnachtsshowdown vertreiben.

Doch wüsste der Nachwuchs, dass er in der Weihnachtszeit in jeder Hinsicht belogen und betrogen wird, wer weiß, ob damit nicht die Euphorie und damit der Umsatz sämtlicher Spielzeugverscherbler um einiges sinken würde. Denn die Eltern werden in dieser Zeit zu Vollzeitschwindlern und lassen sich gar manche Hinterlist einfallen, um ihren Kindern einen Bären aufzubinden. So zum Beispiel am Nikolaustag. Nach elterlichem Märchen düst der Nikolaus mit seinem Schlitten und den Kramperln, die den Sprösslingen Angstträume bescheren, auf die Erde, parkt seine Karosse vor dem Haus und läutet an der Tür, um den Kindern aus dem Goldenen Buch ihre guten Taten und Fehltritte zu verlesen. Danach tröten die Kinder mit ihrer Blockflöte ein schon seit Mitte September geübtes Lied - beziehungsweise versuchen es zumindest bei all dem Lampenfieber - oder sagen ein Gedicht auf. So war das jedenfalls in unserer Familie ...

Doch eines haben alle Nikolausrituale gemeinsam: Sie sind ein ausgeklügeltes Spiel, eine gut geplante Verschwörung, mit der die Eltern versuchen ihre Kindererziehung durch Lügen und Schwindeleien voranzutreiben. Denn schon Monate vor der Premiere werden über Weihnachts-WhatsApp-Gruppen sämtliche Anwärter auf eine Rolle in der Flunkervorstellung gecastet: Lügen will schließlich gelernt sein! Dabei ist eine der ersten Tugenden, nämlich die 8. Weisung der 10 Gebote, die dem Nachwuchs schon im Krabbelalter eingetrichtert wird, dass man nicht lügen soll. Wenn die Eltern ihre Kinder dann als alt genug für die erschütternde Wahrheit betrachten, werden sie schonungslos über die Flunkereien ihrer Vorbilder aufgeklärt. Diese sind froh, dass sie sich all den Aufwand für diesen einen Tag im Jahr sparen und künftig ein Nikolausfest ohne von Kramperln verängstigte Kinder und ohne Tinnitus vom Blockflötenspiel feiern können. Bis dann das Weihnachtsfest kommt und die ganze Lügerei von vorne beginnen kann ...