Sie sind hier: Startseite » Archiv » Lehrerkonzert 15

Lehrerkonzert 15

Viel Mozart und ein Bordellbesuch
Lehrerkonzert im IGG

Normalerweise beurteilen die Instrumentallehrer des Ignaz-Günther-Gymnasiums das ganze Jahr über ihre Schüler. Einmal im Jahr ist es umgekehrt: Die Lehrer stellen sich in einem Konzert in der Aula des IGG selber der Beurteilung. Neben dem Beurteilungs-Vergnügen gibt es dabei immer wieder Entdeckungsüberraschungen im Bereich der Kammermusik.
Heuer gab’s viel Mozart. Aber nicht nur: Von Joseph Haydn gibt es reizvolle Violinduette, heitere Konversationsstücke. In einem Satz daraus spielten sich Wolfgang Gahabka und Stephan Robens beherzt und flink die musikalischen Konversationsbälle zu, immer im schönen Frage-Antwort-Spiel, bis der Satz in überraschendem Pizzicato endete.
Dann kam der Mozart-Block: Im Allegretto aus dem „Kegelstatt-Trio“ mischten sich der weiche Klarinettenton (Brigitte Hafner) aufs schönste mit dem dunklen Klang der Viola (Josef Peller), von Edith Kaltenbrunner am Klavier trefflich ergänzt. Energisch und liebevoll zugleich widmeten sich Stephan Robens (Violine) und Andreas Schuch (Klavier) dem 1. Satz aus Mozarts Violin-Sonate KV 305.
Als „das beste was ich noch in meinem leben geschrieben habe“ bezeichnete Mozart selbst sein Klavierquintett in Es-Dur KV 452. Mit edler Kantabilität beginnt der Kopfsatz und mündet dann in volltönendem Gesamtklang der farbenreichen Bläser. Stefan Unterhuber führte diskret vom Klavier aus und verwob dessen Klang in unerschöpflichen Kombinationen mit den serenadenhaft schönen Klängen der Bläser, der Klarinette (Brigitte Hafner), Oboe (Gabi Roßberger), dem Fagott (Hans-Peter Vogel) bis zum Horn (der Abiturient Georg Kaltenbrunner).
Auch André Caplet hat 1898 ein Klavierquintett mit Bläserbesetzung komponiert mit unhörbarem Drang zu symphonischer Dichte und Fülle. Jetzt saß am Klavier Olga Töppel und statt des Horns spielte Christiane Kneer Flöte. Alle fünf produzierten einen hochverdichteten spätromantischen Klang.
Dieselbe Flötistin entführte die Zuhörer dann in ein Bordell: Angeblich entstand der argentinische Tango in den Bordells von Buenos Aires, so erzählt es Astor Piazolla in seiner „Histoire du Tango“ mit dem ersten Satz: „Bordel 1900“. Farbenfroh, lustsprühend und überaus rhythmisch reizvoll präsentierte Christiane Kneer zusammen mit Olga Töppel am Klavier diese lebensfrohe und zugleich melancholische Tanzmusik.
Vollkommen ernst und deutsch dagegen ist die Musik der Cello-Sonaten von Ludwig van Beethoven, insbesondere die mittlere in A-Dur op.69. Daniel Kneer begann den kurzen 3. Satz mit schwelgerischem Cello-Ton und stürzte sich dann mit heftiger Vivace-Attacke und feuriger Virtuosität in den rhetorisch überschwänglichen 4. Satz, am Klavier energisch begleitet von Eva Krikkay.
Der Schluss gehörte zwei Flügeln: Unter dem Motto „Vier am Klavier“ saßen die bisher genannten Pianisten und zusätzlich Friedrich Stimmer an zwei Flügeln und spielten mit Tanzfreude den Slawischen Tanz Nr. 8 von Antonin Dvořák in durch Synkopen befeuerter mitreißend-musikantischer Frische. Und Olga Töppel und Eva Krikkay boten in gut abgestimmtem Zusammenspiel den emphatischen und rauschenden Abschluss mit der Romanze und Tarantella aus der Suite Nr. 2 für zwei Klaviere von Sergei Rachmaninoff: ein schwungvoll kreiselnder virtuoser Reißer.

Rainer W. Janka