Frühjahrskonzerte 17

OVB Dienstag, 11. April 2017

Musizierende Schülerscharen
VON WALTHER PROKOP

„Musikalische Bildung hat nach wie vor nicht den Stellenwert, der ihr gebührt", so klagte jüngst eine Musikzeitung. War man aber als Zuhörer in den beiden Frühjahrskonzerten des Ignaz-Günther-Gymnasiums im vollbesetzten Kuko, möchte man angesichts der musizierenden Schülerscharen paradiesische Rahmenbedingungen vermuten.
Rosenheim - Zunächst aber war an beiden Abenden das Publikum gefordert. Stefan Unterhuber animierte die Eltern, die Freunde der Schule, die „Ignazler“ und die zahlreich erschienene Prominenz zum Mitsingen: Gemeinsam wurde das Lied „Der Winter ist vergangen“ angestimmt.
Das IGG kann mit mächtigen Klangkörpern auftrumpfen. Bei den Instrumentalisten wagte sich das „Junge sinfonische Orchester“ unter der Leitung von Susanna Mette nicht nur an den barocken Henry Purcell, sondern auch an den Filmmusik- Sound eines Hans Zimmer mit oft überraschenden Klangeffekten. Dann reichte die Bühne gerade noch aus für das Symphonieorchester, das Susanna Mette mit Temperament, Umsicht und Präzision zu feurigem Spiel anstachelte. Schließlich musste es bei der Carmen-Ouvertüre richtig krachen; die melodiösen Ohrwürmer erklangen so suggestiv, dass einige Zuhörer sich zügeln mussten, um nicht lauthals mitzusingen. Die Auszüge aus Bernsteins „West-Side-Story“ meisterten die jungen Musiker mit Bravour - hier sind knifflige Übergänge zu bewältigen, und die turbulenten Rhythmen dürfen nicht in unkontrolliertes Getöse ausarten.

Eine besondere Überraschung gab es am ersten Abend: Da war eine „Rhapsodie“ angekündigt. Komponist: Alexander Schmid. Der Schüler der Q12 zelebrierte zudem selbst den Solopart auf dem Marimbaphon in atemberaubend virtuoser Manier - Bravissimo!
Stefan Robens kultivierte mit dem Kammerorchester die Intimität der kleineren Besetzung. Den 1. Satz aus Johann Stamitz“ Es-Dur Symphonie brachten Dirigent und Musiker beglückend zum Blühen. Ähnlich schlank und strahlend gelang auch Joseph Haydns Cellokonzert in C-Dur. Hier zeigte wieder ein Schüler als Solist sein Können: Firmian Fischer, mit makellosem Ton, stupender Technik und beachtlichem Verständnis für die geistige Aussage dieser vielschichtigen Musik!

Dass die Basstuba nicht nur brummeln kann, sondern auch heikle und exponierte Solos drauf hat, bewies Josef Schlemer (Q12), der locker und mit scheinbarer Leichtigkeit ein Concertino des amerikanischen Komponisten Arthur Frackenpohl interpretierte. Die Streicher unterstützten den Solisten mit exaktem Spiel der nicht untückischen Rhythmen.
Ein weiterer „Solist“ fällt aus dem musikalischen Rahmen: Alex Rotar bekam den vom Eltembeirat gestifteten „Sozialpreis“. Der Schüler gründete eine Sportgruppe mit integrativer Zielsetzung. Diese Innovation macht bereits Schule und wurde auch überregional aufgegriffen. El- ternbeiratsvorsitzender Thomas Tramp überreichte diesen Preis mit sichtlicher Freude und Genugtuung.

Eine Vielzahl begeisterter Sänger
Man hätte angesichts des imposanten Anblicks gerne die Sänger der jeweiligen Chorformationen gezählt; aber man überließ sich lieber der Freude über diese Vielzahl begeistert singender junger Menschen. Stefan Unterhuber stellte seinen Unterstufenchor mit einem schwedischen Kanon vor, ließ frisch und lieblich ein Spiritual folgen und brachte seine Schar bei weiteren Pop-Songs buchstäblich in Bewegung.

Sangesmeister der Mittelstufe war Wolfgang Gahabka, der „Firework“ wörtlich nahm und nebenbei eine kleine Lichtschau inszenierte. In die Vollen ging dann der Oberstufenchor unter der agilen Leitung von Edith Kaltenbrunner mit viel englischem Text, sprachlicher Akrobatik und der fast resignierten Frage der Wise Guys, wer denn die Welt auf den Kopf gestellt hätte.
Ein besonderes Zuckerl, leider nur am ersten Abend, war das Renaissance-Madrigal vom „Kontrapunkt der Tiere“ von Banchieri mit viel Wauwau und Miau - ein musikalisch höchst anspruchsvoller Jux!
Susanna Mette mit ihrem Kammerchor, begleitet von kleinem Orchester, präsentierte eine Kostprobe aus Antonio Vivaldis „Gloria“. Da hätte man gerne noch lange weiterhören mögen.

Drei Gruppen setzten besondere. Akzente: Da musizierten die „Rosenheimer Zauberflöten“ unter der Leitung von Christiane Kneer tonschön und mit rundem, vollem Klang einen barocken Sonatensatz von Boismor- tier; die „Goldhirschen 2.0“ erfreuten mit einer herzhaften „Sehädelweh-Polka“, die freilich beste Laune machte. Martin Anetzberger, selbst mit von der Partie, brauchte seine Musikanten nur mit Augenzwinkern und aufmun- temdem Lächeln bei der Stange zu halten - ein eingespieltes Team! „No easy solu- tion“ war das Eingeständnis der Percussiongruppe von Stefan Robens; die „Lösung“ aber gelang glänzend und äußerst fantasievoll. Trickreich wurden die sich immer wieder überlagernden Rhythmen aufbereitet, die unterschiedlichen Klangfarben abwechslungsreich kombiniert.
Zum Kehraus spielte die Big Band, mit charmanter (Zuver-)Lässigkeit von Wolfgang Gahabka geleitet. Bekannte Melodien passierten Revue, die couragierten Solisten wurden heftig beklatscht. Bei „Time of my li- fe“ begeisterten zusätzlich die beiden Gesangssolisten Lisa Baumüller und Lukas Gahabka, beide Q12.
Die Schüler der Q12, die im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein werden, verabschiedeten sich mit einem eigens umgedichteten Lied bei ihren musikalischen Mentoren. Der Sprecher brachte es auf den Punkt: „Sie haben uns von der 5. Klasse an inspiriert. Was wäre diese Schule ohne ihre Musiklehrer!“